Den Besuchern von Flusslandschaften sind meist die Marken legendärer Hochwasser bekannt, die von den damit verbundenen Katastrophen künden. Doch die lange Trockenzeit des Jahres 2018 brachte im Biosphärenreservat Elbtalaue ein anderes Zeugnis zum Vorschein. Das extreme Niedrigwasser der Elbe gab den Blick auf den historischen Hungerstein bei Bleckede frei.

Dieser zum Glück seltene Anblick ruft dem Betrachter die Macht der Natur in Erinnerung und dass das Leben am Fluss immer auch den Kampf mit den Extremen bedeutete. Auf dem Findlingsstein von Bleckede ist eine Inschrift zu lesen: “Geht dieser Stein unter, wird das Leben wieder bunter”.

Was der Verfasser der Inschrift damit meinte, lässt sich nicht schwer erraten. Es mag die Hoffnung auf das Ende einer Zeit des Hungers und Entbehrung während einer Dürre sein oder auch der Wunsch, dass mit steigendem Wasserstand der Fluss wieder schiffbar sein möge. Denn die Menschen am Fluss lebten in früheren Zeiten im Wesentlichen von der Schifffahrt.

Jahrhunderte alt und oft kunstvoll verziert stehen solche Hungersteine auf dem Elbgrund als stumme Zeitzeugen. Es gibt sie auch elbaufwärts zum Beispiel am Domfelsen in Magdeburg, bei Dresden oder in der sächsischen Schweiz. Ihre Geschichte geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Dabei sind sie auch so etwas wie frühe meteorologische Aufzeichnungen. Historische Dürrejahre lassen sich so rekonstruieren. Fast immer künden sie vom Ernst der Lage: “Wenn du mich siehst, dann weine”, lautet eine andere häufige Inschrift auf den Hungersteinen.

Auch wenn die Bewohner des Elbtales heute keine Hungersnot mehr zu befürchten haben, zeigt das Auftauchen des Steines durchaus Entbehrungen an. Im August 2018 musste der Fährbetrieb bei Bleckede eingestellt werden. Das passiert jedoch zum Glück nur äußerst selten. Aber diese Steine aber Denkmale dafür, dass die Menschen an der Elbe immer großen Naturextremen ausgesetzt waren, deren spannende Zeugnisse der Besucher hier in vielen Spuren erfahren kann.

Und natürlich lässt sich jede Spurensuche gerade hier mit der Draisinentour Elbtalaue verbinden, denn das Ziel der Strecke ist der Draisinenbahnhof Bleckede.